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Äthiopien



Allgemeines :


Die amtliche Bezeichnung des Landes lautet : Demokratische Bundesrepublik Äthiopien
Das Land hat ca. 77 Millionen Einwohner (Stand : 2008) auf einer Fläche von 1 127 000 qkm. Es ist ein Vielvölkerstaat mit ca. 80 Ethnien. Größte Ethnie mit etwa 50 % der Bevölkerung ist das Oromo - Volk, es folgen die Amharen (ca. 25%), Tigray (ca. 10%), Wolaita, Somali, Afar usw. Offizielle Landessprache ist amharisch. Eine allgemein verbindliche und glaubhafte Statistik zur Religionszugehörigkeit der Bevölkerung  existiert nicht; es scheint aber festzustehen, dass etwa  40% Christen, weitere 40% Muslime sind und der Rest sich auf Naturreligionen oder Religionslose verteilt.
Regierungspartei ist seit 1991 die EPRDF ( Ethiopian People's Revolutionary Democratic Front ) mit Ministerpräsident Meles Zenawi an der Spitze.

Menschenrechtssituation :


amnesty international und andere Menschenrechtsorganisationen berichten seit Jahren konstant von zahlreichen Menschenrechtsverletzungen in Äthiopien. Festnahmen und Tötungen von Oppositionellen, jahrzehntelange Inhaftierung ohne Prozess, "Verschwindenlassen" von Personen, Tötung von Demonstranten auf der Straße sind an der Tagesordnung. Die Ergebnisse der Wahlen zum Bundesparlament und zu den regionalen Parlamenten werden regelmäßig durch Pressionen von Seiten der Machthaber gegen die Opposition und durch Betrug beeinflußt. Von einer Gleichberechtigung und Gleichbehandlung der Volksgruppen, insbesondere der Oromo, kann keine Rede sein. Das Regime Meles Zenawi führte in den neunziger Jahren Krieg gegen Eritrea und hat kürzlich mit Unterstützung der USA Truppen nach Somalia entsandt, die dort angeblich für Frieden und Demokratie (!) sorgen sollen, stattdessen aber Massaker an der Zivilbevölkerung verüben.
Weitere Berichte hierzu über unsere Links zu amnesty international.


Geschichte des Landes :



Äthiopien gehört zu den ältesten Kulturländern der Erde, war bereits im Altertum bekannt; es ist das erste Land, in dem das Christentum zur Staatsreligion wurde (koptisches Christentum). In wechselnder geographischer Ausdehnung  und mit ebenso wechselnder Macht wurde es von feudalen Adelsgeschlechtern beherrscht, die als Kaiser oder Könige regierten. Insbesondere im 19. Jahrhundert, aber auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts weckte Äthiopien den Appetit der europäischen Kolonialmächte Großbritannien, Frankreich und Italien. Während England sich mit den Nachbarländern Sudan und Kenia begnügte, Frankreich Djibuti erhielt, wollte Italien mehr als "nur" Somalia, wurde aber durch Kaiser Menelik II im Jahre 1896 geschlagen. Einer der Nachfolger Meneliks, Kaiser Haile Selassie wurde aber dann doch im Jahre 1935 von den Italienern unter Mussolini gezwungen, das Land zu verlassen. Äthiopien wurde italienische Kolonie.
 Während des zweiten Weltkriegs wurden die Italiener von den Briten vertrieben, die 1950 Haile Selassie zurückholten. Trotz aller Reformbemühungen des Kaisers blieb aber die feudalistische Gesellschaftsstruktur des Landes erhalten. Großgrundbesitz, extreme Ausbeutung der rechtlosen Landarbeiter, der Kleinbauern und Arbeiter waren die Kennzeichen dieser Gesellschaft. Massenelend, Hungersnöte führten Anfang der siebziger Jahre zu Aufständen. Jüngere Offiziere der Armee, Anhänger einer sozialistischen Ideologie, putschten im Jahre 1974 und gründeten 1975 einen Militärverwaltungsrat ("Derg"), der die Sozialistische Republik Äthiopien ausrief, eine Landreform beschloss und durchführte, den Großgrundbesitz enteignete. Die Rechtlosigkeit der Arbeiter und Bauern wurde beseitigt. Die Gleichberechtigung aller Einwohner wurde proklamiert. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen kam es auch zu Härten und Übergriffen, was die Opposition veranlasste, von "rotem Terror" zu sprechen. Leider konnten in der Tat die Erwartungen, die zum Beispiel die Oromos im Hinblick auf Gleichberechtigung und Selbstverwaltung  an den sozialistischen Staat hatten, nicht ausreichend erfüllt werden.
An der Spitze des "Derg" stand Oberstleutnant Mengistu Haile Mariam, der in den achtziger Jahren zum Staatspräsidenten gewählt wurde.

Die "Entwicklung zum Sozialismus" in Äthiopien war naturgemäß den Westmächten, inbesondere den USA, ein "Dorn im Auge". So, wie bereits mit anderen afrikanischen Ländern, wo sozialistische Befreiungsbewegungen die Kolonialmächte vertrieben hatten (z.B. in Angola, Mosambik) und wo die Westmächte im Zusammenwirken mit dem Apartheid-Regime Südafrikas terroristische Banden dagegen in Stellung gebracht hatten, wurde nun auch mit Äthiopien verfahren. Die USA unterstützten 1978 die Invasion des Landes von Somalia aus ( Ogaden - Krieg ), die mit Hilfe kubanischer Truppen und der Sowjet-Union zurückgeschlagen werden konnte. Im Norden des Landes (von Eritrea aus) hatten sich separatistische Bewegungen ausgebreitet, dazu eine linksradikale, "marxistisch-leninistische" Organisation albanischer Provenienz (!), eine der Vorgänger der jetzigen Regierungspartei, die sich der Unterstützung von Seiten des Westens erfreuen konnten. Die Dürrekatastrophe in der Sahel-Zone, die ab 1984 auch in Äthiopien verheerende Folgen hatte, in Verbindung mit den  vom Ausland geförderten bürgerkriegsähnlichen Zuständen, brachten die sozialistische Regierung nach 1989 in große Schwierigkeiten. Dies führte schließlich zum Zusammenbruch im Jahre 1991.
Die Machtübernahme durch die Aufstandsbewegungen unter der Leitung von Meles Zenawi löste Pogrome gegen die Anhänger des sozialistischen Staates, aber auch gegen Unbeteiligte aus. In der Folgezeit geschahen zahlreiche politische Morde, tausende Menschen wurden inhaftiert oder verschwanden spurlos. In vielen Fällen blieben Gefangene jahrelang ohne Rechtsbeistand und ohne Gerichtsverfahren in Haft. Eine gigantische Fluchtwelle war die Folge : Hunderttausende flüchteten ins Ausland. Der Staatspräsident, Mengistu Haile Mariam, floh nach Simbabwe, wo er als politischer Flüchtling lebt.
                                                                                                                                                                                                                                          Auch heute noch besteht für viele Menschen Anlass, vor Verfolgung und Willkür aus Äthiopien zu flüchten.


Die Situation des Oromo - Volkes



Ein Beispiel für die Aktualität der Menschenrechtsverletzungen in Äthiopien bietet die Behandlung des Oromo - Volkes und der Anhänger der Oromo Liberation Front ( OLF ). Wie die Oromo - Menschenrechts- und Hilfsorganisation ( OMRHO e.V.) mitteilt, liegen Berichte über zahlreiche Morde, Folterungen, Inhaftierungen vor. Häufig werden Menschen festgenommen, ohne dass die Angehörigen verständigt werden, wohin man sie bringt; sie bleiben dann lange verschwunden oder tauchen niemals mehr auf.

Näheres über die Geschichte des Oromo - Volkes können Sie lesen, indem Sie auf  ⇒ O R O M O  klicken ! Diese Darstellung wurde uns von der Organisation OLF Info-desc Europe im März 2007 freundlicherweise zur Verfügung gestellt, die auch für den Inhalt verantwortlich zeichnet.



Öffentlichkeitsarbeit zur Situation in Äthiopien und zur Lage der Flüchtlinge


In Rüsselsheim leben 105 äthiopische Staatsangehörige (Stand 2007), die zumeist als Flüchtlinge gekommen waren. Grund genug, die Öffentlichkeit über die Situation dieser  Menschen und über die Menschenrechtssituation  in ihrem Heimatland zu informieren.

Die VDAS hat am 13.5.2008 eine Presseerklärung mit dem Thema "Flüchtlinge aus Somalia und Äthiopien berichten..." herausgegeben. Lesen Sie diese Erklärung auf der Seite : Aktuelles - Unterseite Pressemitteilungen.

 

Fortsetzung folgt !

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Aus dem Archiv :

Rundbrief: Äthiopien        

Ausgabe 3/2006

amnesty international 

 

 

 

Inhaftierte Oppositionelle

 

ETV, 03.07.2006

 

Das äthiopische Fernsehen berichtete, dass die Bundesanwaltschaft dem obersten Bundesgericht, vor dem die Prozesse gegen die “November-Festgenommenen” stattfinden, Video- und Audio-Kassetten präsentierte, die beweisen sollen, dass die Angeklagten unter Leitung von Hailu Shawel die Verfassung mit Gewalt außer Kraft setzen wollten. Die Audio-Kassette beschreibe, dass einige Angeklagte gesagt hätten, dass Unsicherheit und Aufstände das Land aufwiegeln würden, bis die bestehende Regierung ersetzt sei.

 

Ethio Media Forum, 03.07.2006

 

Die Verwaltung verweigert die Verlegung des Babys von Serkalem Fasil und Eskinder Nega in einen Brutkasten des Kinderkrankenhauses, weil die Eltern inhaftiert sind.

 

amnesty international, 15.05.2006

 

Die Regierung antwortete auf den Bericht von ai vom 5. Mai (Ethiopia Treason Trial...) in einem Brief. Darin heißt es: amnesty hat überhaupt keinen Grund für die Position, die sie im Hinblick auf diese Individuen einnimmt, die sehr schwerer Verbrechen angeklagt sind, noch hat amnesty igendeinen Grund die Unabhängigkeit und Integrität der athiopischen Instiutionen in Frage zu stellen.

 

Europäisches Parlament, 15.05.2006

 

Anlässlich des Jahrestags der Wahlen in Äthiopien am 15.Mai 2005 hielt der Ausschuss des EU-Parlaments für Entwicklung, Menschenrechte und Auswärtige Beziehungen eine Sitzung ab. Der vorläufige Bericht der europäischen Wahlbeobachter wurde von der äthiopischen Regierung als Müll (garbage) zurückgewiesen. Auf den endgültigen Bericht, im März 2006 veröffentlicht, der feststellte, dass die international anerkannten Prinzipien für demokratische Wahlen insgesamt nicht eingehalten wurden, wurde von der äthiopischen Regierung nicht geantwortet. Der Ausschuss würdigte die Arbeit von amnesty international. Da die Portugiesin, Ana Gomes, eine der Vorsitzenden, am Tag vorher in London gezielte Sanktionen gegen die äthiopische Regierung gefordert hatte, sagte der äthiopische Botschafter, der für einen Bericht erwartet wurde, seine Teilnahme kurzfristig ab, da der ganze Ausschuss in Opposition zu Äthiopien stehe.

 

amnesty international, 03.05.2006

 


Die Prozesse gegen die im November verhafteten Oppositionellen haben begonnen. Angeklagt sind 111 Personen, von denen 85 vor Gericht stehen, über 26 Personen wird in Abwesenheit verhandelt. Zu den Angeklagten gehören die Führer der Oppositionspartei CUD (Coalition for Unity and Democracy), 12 Journalisten von unabhängigen Zeitungen und 3 Angehörige von bürgerlichen Vereinigungen. Die Angeklagten sind in verschiedenen Gruppierungen zusammengefasst, die Angeklagen lauten auf Verrat, Verbrechen gegen die Verfassung, bewaffnete Verschwörung oder Völkermord. Bei allen Anklagen kann die Todesstrafe verhängt werden.

Mit Ausnahme der 3 Angehörigen der bürgerlichen Vereinigungen weigern sich alle Angeklagten am Prozess teilzunehmen oder einen Verteidiger zu benennen, da sie keinen fairen Prozess erwarten.

ai sorgt sich besonders um die 4 Menschenrechtsverteidiger, die unter den Angeklagten sind. Die Menschenrechtsverteidiger vor Gericht zu stellen steht im Gegensatz zur Verpflichtung der Regierung, die legitime Rolle der Menschenrechtsverteidiger zu respektieren, wie sie in der UN-Erklärung über Menschenrechtsverteidiger festgelegt ist.

ai betrachtet die Angeklagten als Gewissensgefangene, die nur wegen ihrer Überzeugung und gewaltfreien Aktivitäten vor Gericht stehen. amnesty fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung der Angeklagten.

 

 

Pressefreiheit

 

IRIN NEWS, 15.03.2006

 

Die politische Spannung führte zu einem scharfen Vorgehen gegen die Medien, teilte das Committee to Protect Journalist (CPJ) mit

 

Die private Presse in Äthiopien berichtet über Schikanen der Regierung und subtile Zensur, indem zum Beispiel Drucker unter Druck gesetzt würden bestimmte Zeitungen nicht zu drucken.

 

Ferner sind, laut CPJ, in Folge der Unruhen wegen der letzten Wahlen Pressebüros durch Regierungsmitarbeiter überfallen und am Veröffentlichen gehindert worden. Viele Journalisten sind ins Exile gezwungen worden. Ausländische Reporter wurden wegen regierungskritischer Berichterstattung außer Landes gewiesen.

In den Prozessen, die auf die November-Unruhen folgten, sind auch Journalisten des Völkermords und Verrats angeklagt, worauf die Todesstrafe steht.

 

Das äthiopische Presserecht verbietet die Veröffentlichung “falscher Nachrichten”, Beleidigung der Regierung und der Sicherheitskräfte.


 

IRIN NEWS, 04.04.2006

 

Die Regierung lizensiert die ersten beiden Privaten Radiostationen

 

In Addis Abeba gingen die ersten beiden privaten Radiostationen auf Sendung. Die Eigentümerin einer der beiden Stationen ist eine frühere Journalistin von “Voice of America”. Ihre erste Sendung war eine Debatte zwischen Oppositionspolititkern. Sie erhofft sich einen Aufschwung für die Demokratie in Äthiopien.

Trotz allem sind die Radiostationen aber der staatlichen Aufsicht der äthiopischen Rundfunkbehörde unterworfen.

 


Attentate in Jijiga

 

IRIN NEWS, 30.05.2006

 

Attentate verletzen 42 Menschen in Stadt im Osten

 

Am Wochenende wurden 42 Menschen in der Stadt Jijiga, 720 km südöstlich von Addis Abeba verletzt.

 

Seit den Prostesten gegen die Wahlen im Mai 2005 haben sich dutzende von Anschlägen im ganzen Land ereignet. Erst am Samstag kam es zu blutigen Zusammenstößen in Nazret, einer Stadt 98 km südlich von Addis Abeba. Die Zusammenstöße ereigneten sich zwischen den Sicherheitskräften und enteigneten Händlern, die entschädigt worden waren, sich aber weigerten ihr Land an Investoren zu übergeben. Dabei wurde mindestens ein Mensch getötet.

 

 

Wahlen in Addis Abeba

 

IRIN NEWS 10.05.2006

 

Premierminister Meles Zenawi bestimmte Berhanu Deressa, der früher bei der Weltbank und als Diplomat bei den UN gearbeitet hatte, zum “Obersten Verwalter” für die Stadt Addis Abeba. Die CUD hatte in den Wahlen am 15.Mai 2005 von 138 Sitzen 137 gewonnen. Aus Angst vor Repressalien und Verhaftungen, die viele der Gewählten erlitten, hatten bis zum 18.April keine 70 Gewählte ihre Sitze eingenommen. Die CUD protestierte gegen die Einsetzung des Verwalters.

 

 

Finanzielle Hilfe aus dem Ausland

 

Reporter, 02.07.2006

 

Die „Christian Relief and Development Agency“ (CRDA) hat wiederholt moniert, dass die Regierung Gelder, die NGOs (Nichtregierungsorganisationen) erhalten, überwacht und kontrolliert.

 

Der Minister für Finanzen und ökonomische Entwicklung dagegen sagte, die Regierung kenne die Quellen der Zuwendungen der NGOs nicht und wisse nicht, wie die Gelder eingesetzt würden.

 

CRDA entgegnete, die Gelder kämen über die Commercial Bank of Ethiopia ins Land, dort könne die Regierung alle Informationen erhalten. Die NGOs setzten die Gelder gemäß der Vereinbarung mit der „Prevention and Preparedness Agency“ und den Staatsverwaltungen ein. Diese Institutionen überwachten die NGOs. Die NGOs müssten ihre Projekte und deren Durchführung der Agency und dem Justizministerium vorlegen.

 

 

amnesty international, 02.06.2006

 

Die Weltbank kündigte ein überarbeitetes Basis-Unterstützungspaket für Äthiopien un Höhe von 1 Milliarde US$ an, als Ersatz für die im Dezember 2005 gestrichene direkte Budget-Hilfe. Das Geld ist bestimmt für Bildungs- und Gesundheitsprogramme auf lokaler Ebene, im den Armen des Landes zu helfen, ohne das Meles-Regime abzusichern.

 

Die britische Regierung kündigte an, die im Januar suspendierte Budget-Hilfe umzuwandeln, um den Schutz der Grundversorgung sicherzustellen.

 

 

Grenzkonflikt Äthiopien-Eritrea

 

IRIN NEWS, 15.06.2006

 

Äthiopien hat Eritrea beschuldigt, kein Interesse an einer Lösung des Grenzkonfliktes zu haben, da Eritrea seine Teilnahme an einem Treffen mit der internationalen Grenzkommission in Den Haag abgesagt hatte. Eritrea schrieb in einem Brief, es werde erst teilnehmen, wenn Äthiopien die Entscheidung der Grenzkommission von 2002 anerkenne.


IRIN NEWS, 05.04.2006

 

Die EU will 8 Millionen _ zur Verfügung stellen, um im Grenzgebiet zu Eritrea Minen zu zerstören. Das Grenzgebiet in Äthiopien gehört zu den am stärksten verminten Gegenden der Welt.

 

 

Stämme

 

IRIN NEWS, 14.06. und 19.06.2006

 

Ethnischer Konflikt im Süden des Landes kostet 100 Menschenleben

 

Mindestens 100 Menschen wurden getötet und tausende verloren während der letzten Wochen ihre Heimat bei Zusammenstößen über umstrittenes Land in Südethiopien, teilte eine humanitäre Organisation mit.

 

Der Kampf zwischen der ethnischen Gruppe der Guji und ihren Rivalen der Borena trug sich im Gebiet zwischen den Städten Yabello und Finchewa, etwa 400 km südlich von Addis Abeba, der ethiopischen Hauptstadt, zu. Konflikte über Wasserquellen und Weidegründe sind in der südlichen, ariden Region des Landes,  die von Hirten bewohnt wird, häufig.

“Der Konflikt begann nachdem die Guji, deren Woreda (Distrikt) kürzlich von der Regierung vergrößert wurde, begannen Land zu beanspruchen, das zuvor den Borena gehörte,” berichtete ein Mitarbeiter einer Nichtregierungsorganisation, der darum bat nicht namentlich genannt zu werden. “Tausende Menschen sind obdachlos.”

 

Der Konflikt begann bereits am 23.Mai zu schwelen  und wurde gewalttätig als eine Woche später die Guji das ihnene von der Regierung zugeteilte Land beanspruchten, das zuvor dem Stamm der Borena gehörte.

 

Einige humanitäre Organisationen haben ihre Betätigung in der Konfliktregion unterbrochen.

 

Eine ähnliche Entwicklung, zeige sich darin, dass zwei mobile Gesundheitsdienste ihre Arbeit in der Somaliregion im Südosten unterbrochen hätten, da es dort Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und Rebellen gegeben habe, sagte ein Mitarbeiter einer humanitären Organisation.

 

IRIN NEWS;, 13.06.2006

Angreifer töten 14 Menschen bei Überfall auf Bus

 

Mindestens 14 Menschen wurden getötet und 40 weitere  verletzt als eine Gruppe unbekannter bewaffneter Angreifer einen Bus in Westäthiopien überfiel, teilte eine humanitäre Organisation mit.

 

„Etwa 40 verletzte Menschen wurden in Bonga eingeliefert...,“ sagte ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation in der Stadt Gambella, in Westäthiopien, nahe der sudanesischen Grenze. „Die Straße nach Bonga ist heute Morgen (Montag) geschlossen worden; deshalb ist es schwierig genauere Informationen zu bekommen.“

 

In der Region Gambella gibt es schon lange anhaltende Feindseeligkeiten zwischen der Gemeinschaft der Anuak und der Nuer über den Zugang zu Weide, Wasser und urbarem Land. Im Dezember 2003 wurden mindestens 30 Menschen im Konflikt zwischen den beiden Gemeinschaften in Gambella getötet.

 

IRIN NEWS, 2.06.2006

 

Mindestens 39 Menschen wurden in einem viertägigen Stammeskampf in Daroor, einer entlegenen Stadt in der äthiopischen Region “Somali Zone Five”, getötet, teilte eine lokale Quelle mit. Die Region liegt nahe der Grenze zu Somalias selbsterklärter nordöstlicher “Republik Somaliland”.

 

Die Zusammenstöße, die am Montag ausbrachen, betrafen die Unterstämme der Habar Yonis und der Idagaale, nachdem sich beide Stämme uneins über den Bau eines Wasserreservoirs in der Gegend waren. Beide Stämme gehören dem Stamm der Garhaajis an, deren Mitglieder hauptsächlich im Salahle Distrikt in der Region Togdheer in Somalia leben.

 

Es war das erste Mal, dass sich solche Unstimmigkeiten in dieser Region zwischen den beiden Unterstämmen gebildet hatten, sagte Sultan Mohammed Sultan Abdikadir, ein traditionelles Stammesoberhaupt.

 


Am Donnerstag verließen drei Friedensdelegationen von Ministern aus Somaliland, Gesetzgebern, Oppositionsmitgliedern und traditionellen Stammesoberhäuptern Daroor und versuchten die zwei Unterstämme zu versöhnen.

I

 

Lebensbedingungen

 

Schwere Dürre im Süden und Südwesten Äthiopiens

 

IRIN NEWS, 07.06.2006

 

Versorgung mit Nahrungsmitteln immer noch Sorge in der Somali Region

 

Die Hauptregenzeit in der Somaliregion in Ostethiopien scheint früh zu enden. Das könnte sie Versorgung mit Nahrungsmitteln gefährden, wenn nicht im Juni mehr Regen fällt, warnte die United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (OCHA, Koordinationsbüro der Vereinten Nationen für humanitäre Hilfe)

 

Dürre, Überflutungen in den Flussregionen und Schädlinge haben dafür gesorgt, dass der Preis für Nahrungsmittel schon jetzt hoch ist. Nach UN Angaben kämpfen 1,7 Millionen Äthiopier in der östlichen Somaliregion um ihr Überleben. Sie haben nur eingeschränkten Zugang zu Wasser und Nahrung.

 

Flüchtlinge aus Äthiopien

 

IRIN NEWS, 14.06.2006

 

Viele Äthiopier, die über das Meer auf die arabische Halbinsel fliehen wollen, landen im Flüchtlingslager von Bosasso in Puntland, auf der äußersten Nordostspitze des Horn von Afrika. Das Lager wird vom UNHCR betreut. 34000 Menschen, hauptsächlich Somalier leben dort. Seit November werden dort auch 2500 Äthiopier versorgt.

 

Hussein, 32, Kaufmann, erzählt:

 

“Ich bin Oromo, ein Kaufmann. Ich verließ meine Frau und meinen Sohn zu Hause, weil mein Arbeitsplatz in Addis Abeba war. Als Wahlen waren, arbeitete ich in der Opposition. Ich war der Vorsitzende meines Viertels (Kebele), und ich war ein aktives Mitglied der Opposition. Ich wurde zur Zielscheibe, ich konnte nicht bleiben. Ich arbeitete und reiste mit anderen, die auch verfolgt wurden. Einige meiner Freunde wurden inhaftiert, und ich bekam Angst zu bleiben, ich  ging weg. Ich weiß nicht, was mit meinen Freunden und Kollegen, die ins Gefängnis geworfen wurden, geschah.”

 

Hunderte heimatloser Äthiopier leben auf den Straßen in der Nähe der Hafenmauer. Sie schlafen unter kleinen Fetzen von Plastikfolien, betteln um Essen und versuchen verzweifelt etwas Geld zu verdienen zum Überleben und für die Überfahrt in den Jemen.

 

Pässe und neue Identitäten werden ge- und verkauft. Besonders Äthiopier versuchen Somalier zu werden, um bei der Flucht in den Jemen dort als Flüchtlinge anerkannt zu werden.

 


Schmuggler haben ihr altes Handwerk wiederbelebt, sie benutzen Mobiltelefon, Radio und Email, um ihr unsichtbares Netzwerk auszuweiten. Sie handeln mit Waffen, Drogen und Menschen. Ihr Netzwerk ist sehr effektiv, in einer Region, die von den regionalen Regierungen nicht beachtet wird und von der Weltgemeinschaft aufgegeben ist.

Die Schmuggler nehmen 50 US$ für die Überfahrt in kleinen Fischerbooten. Viele Boote kentern in der Strömung. Die Leichen der Migranten werden an den Strand des Jemen getrieben und dort mit Bulldozern eingesammelt, zum Verscharren in Massengräbern.

 

Es gibt Kinderhandel im Lager, sagen Flüchtlinge und Einwohner. Da es keine Schulen gibt, werden Kinder als billige Arbeitskräfte, Hausangestellte und Hirten verkauft. “Wir nehmen Geld für sie und schicken sie weg,” erzählt ein Flüchtling, “einige kommen schwanger wieder.” Menschenschmuggel ist weit verbreitet. Tausende Dollar werden Mittelsmännern gezahlt, um Kinder aus der Region zu fliegen über Mogadischu und Hargeysa. Kinder von 2 oder 3 Jahren wurden ausgeflogen oder per Schiff in den Mittleren Osten, nach Europa oder Nordamerika gebracht, manchmal um in Familien aufzuwachsen, manchmal um eher ausgebeutet zu werden.

 

 

Gründung eines neuen Netzwerks für Menschenrechte

 

amnesty international, 06.07.2006

 

Am 6.Juli wurde ein 34-Seiten-Bericht über die erste Konferenz des “Human Rights Defenders Network” veröffentlicht.

 

Auf einer von amnesty international und den “East and the Horn of Africa Human Rights Defender Project” (EHAHRDP) organisierten Konferenz kamen Menschenrechtsverteidiger zu einem Erfahrungsaustausch zusammen. Sie gründeten ein Netzwerk im Kampf um die weitere Durchsetzung der Menschenrechte. Der Bericht enthält viele Beispiele von Verfolgung, aber auch Projekte, Pläne und Möglichkeiten zukünftiger Arbeit.

 

Der Vertreter Äthiopiens Yared Hailemariam erhielt während der Konferenz die Nachricht, dass sein Name in Äthiopien auf der Liste der 55 meistgesuchten Personen sei, wegen der Teilnahme an subversiven Aktivitäten zum Sturz der Verfassung in Äthiopien. Er konnte nicht nach Äthiopien zurückkehren.

 

Der ganze Bericht ist zu finden unter:

 

http://web.amnesty.org/library/index/engafr040012006

 

Das neugegründete Netzwerk hat die website:

 

http://www.yorku.ca/crs/AHRDP/index.html

 

 

 

 

 

Redaktionsschluss: 10.07.2006

 

Nur mit amnesty international gekennzeichnete Artikel geben die Meinung der Organisation wieder.

 

 

 

Herausgeber:            Äthiopien Kogruppe, Hanni Bienert, Feuerbacher Weg 6, 70197 Stuttgart,  aethiopien@amnesty-stuttgart.de